Wandern im Øvre-Dividal-Nationalpark

Anfang Juni waren wir auf Wandertour für ein verlängertes Wochenende im Øvre-Dividal-Nasjonalpark. Nachdem wir erstmal einen netten und shoppingreichen Tag in Tromsø verbracht haben, ging es Richtung Dividalen. Die lange Straße durchs Dividalen befindet sich teilweise in sehr gutem Zustand. Gegen Ende fährt man die letzten Kilometer eine Mautstraße, die dann nur noch aus einer Schotterstraße besteht. Zuerst kommt man an der „Ventebu“ vorbei. Eine kleine DNT-Hütte in der man sich aufhalten und aufwärmen kann. Zum übernachten allerdings nicht vorgesehen/geeignet. Von dort kann man auch zu verschiedenen Hütten seine Wanderung starten. Wir fuhren den Mautweg bis zum Ende auf einen großen Parkplatz weiter.

Nachdem die Rucksäcke gepackt und die Wanderschuhe geschnürrt waren, starteten wir in Richtung „Dividalshytta„. An diesem Wochenende sollten hier freiwillige Helfer arbeiten an der Hütte ausführen und daher war die neue Hütte geschlossen, aber zum Glück gab es ja noch die alte (Gamle Dividalshytta) Hütte. Nach knapp zwei Stunden erreichten wir bereits früher als erwartet die Hütten. Es ist eine recht einfache Wanderung, die für jeden machbar sein sollte, der über eine normale körperliche Fitness verfügt. Nachdem wir uns einen Überblick über die Hütten, Plumpsklo und Wasserstelle gemacht haben, ruhten wir uns etwas aus und genoßen die herrliche Sonne bei über 20 Grad. Danach gab es auf dem neu gekauften Gaskocher zubereitetes Turmat.

Am nächsten Tag ging unsere Wanderung weiter erstmal längere Zeit bergab durch feuchtes und teilweise mooriges Gelände bis hinunter an einen großen Fluß. Hier hatten wir nun die Möglichkeit ein paar Kilometer zu sparen, indem wir den Fluß nassen Fusses überquerten oder bis zur Brücke zu laufen. Angesichts des reißenden Stroms, entschieden wir uns für die Brücke. Nach Überquerung dieser, ging es wieder ein gutes Stück bergauf, ehe man oben angekommen eine fantastische Aussicht auf einen reißenden Fluss und Wasserfall genießen konnte. Dann ging es wieder etwas bergab und lange Zeit am Flussufer entlang durch teils feuchtes Gelände und über Holzbohlen. Danach wieder etwas höher gelegen weiter oberhalb des Flusses entlang bis zur nächsten Hängebrücke. Da der Weg sich sehr zog und wir am nächsten Tag diesen komplett zurück mussten und dann wieder zum Parkplatz, wo unser Auto stand, entschieden wir uns hier einen geeigneten Platz für unser Zelt zu suchen und nicht wie geplant bis zu unserem eigentlichen Ziel, der „Vuomahytta“ zu wandern.

Ein Stück zurück fanden wir dann auch einen netten Platz für die Nacht in der Nähe eines kleinen Baches. Wieder gab es Turmat, ehe wir uns in unser Zelt verzogen. In der Nacht regnete es dann etwas.

Tags darauf ging es dann den gleichen Weg, den wir gekommen waren bis zur ersten Hängebrücke zurück. Von dort dann über einen anderen zurück zum Parkplatz. Unterwegs kamen wir noch an zwei privaten Hütten vorbei und ein klein wenig Regen setzte ein.

Kurz gegen Ende dann, galt es noch einen Fluss zu überqueren. Leider nicht mit einem Hechtsprung schaffbar. Steffi ging ein wenig den Fluss hinauf und entschied sich dort über einen Baumstamm zu robben, der über den Fluss lag. Ich traf die falsche Entscheidung und wollte mit zwei schnellen Sprüngen über einen mittig im Fluss befindelichen Stein ans andere Ufer gelangen. Dieser erwies sich allerdings als zu glatt für meine neuen Wanderschuhe und schon lag ich komplett im Fluss. Die Strömung versuchte ihr bestes mich wegzuziehen, doch ich kontte mich an einem Stein festklammern und irgendwie aus dem Fluss robben. Dort stand ich nun am anderen Flussufer pitschnass. Sofort fiel mir mein geliebtes iphone in der Wanderhosentasche ein. Es war natürlich etwas nass geworden, aber zum Glück nicht zu sehr und es hat es überlebt. Ich auch, wenn auch mit scherzendem Arm und Schürfwunden an Bein und Arm. Zum Glück war es nicht mehr so weit zum Auto, wo ich dann erstmal einen kompletten Klamottenwechsel durchführen konnte.

Ansonsten lasse ich jetzt ein paar Bilder sprechen…

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Silfar Canyon

Ungefähr 50 km mit dem Auto von Lakselv entfernt, liegt kurz hinter Børselv an der RV 98 der Silfar Canyon. Ein Schild an der Straße lässt einen die Einfahrt auf den kleinen Schotterweg zum Parkplatz eigentlich nicht verfehlen.

Dort angekommen, folgt man dem Pfad am Plumpsklo vorbei. Nicht lange und man hört auch schon das Wasser rauschen und steht kurz darauf am Abgrund mit Blick auf den Canyon. Nun kann man dem Pfad am Canyon hinauf folgen und an verschiedenen Stellen einen Blick auf das rauschende Wasser des Børselva werfen.

Der Børselva erstreckt sich über 76,2 km und fließt von den Bergen hinab in den Porsangerfjord. Der Canyon ist einer der größten in Nord-Europa.

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Wanderung zur Mutingshytta

Die Mutingshytta ist eine recht neue, kleine Übernachtungshytte in der Porsanger Kommune in den Bergen beim Brennelvdalen. Wir haben die Wanderung Ende Mai 2014 gemacht.

Je nach Wandergeschwindigkeit und Startpunkt benötigt man ca. 2-3 Stunden zur Mutingshytta. Es gibt einige Wege und Startpunkte rund um das Brennelvdalen, um zur Hütte zu gelangen. Als guter Startpunkt eignet sich der Parkplatz bei Fossestrand. Fährt man in Lakselv am Kreisverkehr weiter auf der RV 98, ist man schnell in Brennelv. Hier gelangt man bald zur ausgeschilderten Abbiegung rechts auf einer Schotterstraße nach Fossestrand. Diese verzweigt sich gen Ende in drei Richtungen. Hier ist man richtig, um sein Auto zu parken und die Wanderung zu starten.

Zuerst folgt man der linken Schotterpiste in östlicher Richtung für ca. 1,7 km und gelangt so an den eigentlichen Einstiegspunkt der Wanderung bei „Ritaoja“. Dort befindet sich auch eine gute Karte auf der die Hütte und Wege eingezeichnet sind. Wie man dort sehen kann, gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Mutingshytta zu gelangen und man kann sich auch für Rundwege entscheiden.

Wir haben den Weg über „Pervarden“ durchs Fjell gewählt. Bis Pervarden läuft man ca. 3,5 km und dann weitere 3,9 km zur Hütte. In den Bergen hat man eine wunderbare Aussicht auf das Porsangerfjord und die umliegenden Berge.

Ende Mai hatten wir an wenigen Stellen noch vereinzelte Schneereste durch die man stapfen muss. Stechmücken haben uns so gut wie keine belästigt. Unterwegs begegneten wir drei Rentieren. Der Weg ist auch für unerfahrene Wanderer zu meistern.

Die Mutingshytta und auch die Gammen in der Gegend stehen für jeden offen. In der Hütte befindet sich eine Kochmöglichkeit, ein Ofen, Radio, Töpfe, Geschirr, Matratzen und mehr. Das Toilettenhäuschen und eine Lagerhütte sind wenige Meter entfernt. Bänke und ein Feuerplatz laden zum rasten ein. Wasser gibt es am Bach.

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Erste Zelt-Test-Tour

Vor einigen Jahren haben wir uns ein Zelt gekauft und dies mit einer recht schlaflosen Übernachtung in strömenden Regen auf einem Campingplatz bei Regensburg eingeweiht. Eigentlich waren damals zwei Nächte im Zelt auf dem doch recht gemütlichen Bauernhof-Campingplatz angedacht, doch nach dieser Nacht mit wenig Schlaf, haben wir uns anschließend lieber ein Zimmer in einer Pension genommen. Wir wissen also schon mal, dass unser Zelt sehr viel Regen vertragen kann.

Nun haben wir es seitdem nicht mehr angerührt. Bei der Auswanderung hat es aber doch einen Platz auf der Umzugsgutliste gefunden und somit seinen Weg in den hohen Norden Norwegens. Nachdem der lange Winter nun vorbei ist, unser Thermometer sogar schon 18 Grad angezeigt hat und der Schnee sich langsam verzieht, war es Zeit das Zelt mal in norwegischen Verhältnissen zu testen.

Schließlich sind wir vor kurzem dem DNT, dem norwegischen Turistenverein, beigetreten und wollen den Sommer und die durch den Umzug neu gewonnene Freizeit nutzen und auf ein paar Wandertouren mit Zelt und auf die Hütten des DNTs gehen.

Daher haben wir uns letztes Wochenende auf den Weg nach Finnland gemacht und in einem Nationalpark, kurz hinter Karigasniemi an der finnisch-norwegischen Grenze, eine erste Testübernachtung im Zelt getätigt.

Wie die sehr genaue Wetter App von yr.no vorausgesagt hatte, regnete es bis ca. 17 Uhr. Also legten wir uns noch etwas im Bulli ins Bett, während der Regen aufs Dach prasselte.

Kurz nach 18 Uhr starteten wir dann in den Nationalpark. Da es Mitte Mai ist, habe ich schon noch mit Schnee gerechnet. Das er aber noch so tief ist und wir manchmal mit 3/4 der Beine einsanken, hatte ich nicht gehofft. Weiterhin kam hinzu, dass es zwar große Wegweiser gab, nur das was darauf stand, stand nicht auf der großen Karte am Parkplatz des Nationalparks. Diese hatte ich extra mit dem Handy fotografiert, aber auf der Karte war nichts zu lesen, was auch nur annähernd so ähnlich hieß wie das was auf den Wegweisern stand… kein Berg, keine der eingezeichneten Schutzhütten o. a. Tja, so liefen wir halt an den zwei Abzweigungen an die wir kamen, da lang weiter, wo wir meinten es sei richtig.

Nach kurzer Zeit war uns eh klar, dass wir es bei dem teilweise zu vielem Restschnee nicht bis zum eingezeichneten Zeltplatz schaffen würden. Also schlugen wir unser Zelt auf einem geeigneten Platz auf und machten uns ein kleines Lagerfeuer zum trocknen der nassen Schuhe, Aufwärmen und Grillen von Würstchen.

Danach richteten wir uns im Zelt ein. Nach einigem Klamottenwechsel, Schlafsacktausch, Platztausch, war es dann auch Steffi warm genug bei geschätzten 3 Grad Außentemperatur zum schlafen. Viel Schlaf haben wir dennoch nicht gehabt, was auch an den gegen das Zelt peitschenden Windstößen gelegen haben mag. Ich fühlte mich nach ca. vier Stunden Schlaf doch sehr frisch.

Nachdem wir alles zusammengepackt hatten, ging es auf gleichem Weg zurück. Diesmal in ca. einer Stunde, der Hälfte der Zeit. Wir brauchten nur unseren Spuren zu folgen und durch unsere tiefen Fußstapfen im Schnee zurückzugehen.

Über Pfingsten planen wir nun eine mehrtägige Wandertour mit Übernachtungen in Hütten.

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Nordlicht- und Winterfotos

Da uns nach dem Umzug nun wieder eine brauchbare Internetverbindung zur Verfügung steht, konnte ich endlich in Ruhe meine Bilder sichten und habe auf meiner Website Friedrich.Photography ein paar Nordlichtbilder und Winterbilder der letzten Monate veröffentlicht. Viel Spaß beim Ansehen!

Unsere neue Unterkunft

Klein, aber fein ist unser neues vorübergehendes Zuhause. Hier in Brennelv bei Lakselv wohnen wir nun mindestens bis August umgeben von herrlicher Natur. Aus unserem Fenster blicken wir auf die gegenüberliegenden Berge und hinab ins Tal auf den Fluß. Spaziergänge, Wanderungen, Radtouren, Jogging starten wir direkt von unserem Heim aus in die weitläufige Natur. Steffi ist auch schon der erste Elch auf dem Heimweg fast vors Auto gesprungen.

Die Satschüssel versorgt uns mit dem teilweise doch recht grausigem deutschen Fernsehprogramm. Da merkt man, was man nicht vermisst hat. 😉 Ich lerne grad das Programm der öffentlich-rechtlichen deutschen Sender mehr zu schätzen sowie das norwegische. Da wir außerdem über endlich hervorragendes Internet verfügen, haben wir uns ein Netflix-Abo besorgt, womit wir nun norwegische Serien und allerlei Filme genießen.

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Wir bauen uns eine Schneehöhle

In der Finnmark sind die Winter kalt und lang. Was bietet sich da mehr an, als eine Schneehöhle zum übernachten in der herrlichen Natur zu bauen? Gut, der ein oder andere beginnt wahrscheinlich schon beim Gedanken daran zu frieren und wird lieber vorm warmen knisternden Kamin sitzen. Ich wiederum finde es total „cool“. 😉

Allein schon die Vorstellung in dieser mit eigenen Händen geschaffenen, einmaligen und vergänglichen Behausung eine Nacht zu verbringen, erfüllt mich mit Vorfreude. Ebenso wie der Gedanke an den Bau der Schneehöhle. Daher konnte ich es kaum abwarten, als wir gefragt wurden, ob wir eine Schneehöhle mitbauen möchten.

Ende Januar war es dann endlich soweit und wir fuhren mit dem Schneescooter und allerhand Schaufeln bewaffnet raus ins Fjell an eine gut geeignete Stelle für die Schneehöhle, an der unsere Freunde auch schon im letzten Winter eine gebaut hatten. Nach kurzer Einführung und Checken der Lage, hangelten wir uns den steilen Hang hoch und begannen wenige Meter unter der Schneekuppe mit dem Bau von drei Eingängen. Leider kamen wir nicht ganz so schnell voran, da der Schnee sehr hart war. Die Dunkelzeit (Mørketid) war grad erst vorüber, daher wurde es auch schon bald dunkel und wir mussten mit Kopfleuchten (Hodelykt) weiter arbeiten. Am Ende des ersten Schaufeltages waren wir zumindest soweit, dass die Eingänge fertig waren und wir am Anfang vom „Rest“ standen.

Wir haben uns dann für das kommende Wochenende verabredet, um unsere Arbeiten fortzusetzen und ggf. die Schneehöhle im Rahmen eines Geburtstages und unseres Hochzeitstages einzuweihen. Aufgrund des „Panzerschnees“, sind wir jedoch auch dann noch nicht fertig geworden. Schlussendlich konnten wir durch einlegen einer Sonderschicht unter der Woche abends die Schneehöhle fertigstellen.

Am darauffolgenden Wochenende haben wir die Schneehöhle dann zu sechst (und mit sechs Hunden) eingeweiht. Zuerst haben wir uns am gemütlichen Lagerfeuer Rentierfleisch mit Kartoffelbrei und Gemüse zubereitet, ehe wir es uns in der Schneehöhle für die Nacht gemütlich gemacht haben. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt war es mit guten Schlafsäcken und Baumwollunterwäsche erträglich.

Die Schneehöhle hat ungefähr 30 Quadratmeter und bietet gut Platz zum übernachten für 6-10 Personen. Es gibt einen Haupt- und einen Seiteneingang sowie Sitzplätze, eine Kochecke und eine kleine Treppe.

Der Bau so einer Schneehöhle ist sogar hier in der Finnmark nicht so alltäglich, dass wir es damit auf die Titelseite vom „Finnmark Dagblad“ geschafft haben und darüber mit einem zweiseitigen Artikel berichtet wurde. 🙂

Hier einige Bilder vom Bau der Schneehöhle, der ersten Übernachtung und dem Artikel aus dem Finnmark Dagblad:

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Die Sonne ist zurück

Nun haben wir sie überstanden, die Mørketid. Seit 21. Januar ist die Sonne wieder zu sehen, auch wenn ich sie persönlich noch nicht sehen konnte. Man spürt aber, dass sie da ist, auch wenn man sie aufgrund von Bergen oder Wolken nicht richtig sehen kann. Es kommt mir nun recht schnell vor, wie es von Tag zu Tag immer mehr Helligkeit gibt. Pro Woche beglückt uns nun die Sonne immer eine Stunde länger am Horizont. Ich glaube demnächst muss ich mich um eine Sonnenbrille für’s Auto fahren kümmern. Der Mix aus Schnee und Sonne könnte evtl. zu Sichtproblemen führen.

Somit haben wir sie also hinter uns gebracht, die Polarnacht. Als schlimm haben wir sie beide nicht empfunden. Wir haben uns aber sagen lassen, dass es durch den Schnee dieses Jahr heller war. Insgesamt hab ich nur wenige der Vitamin D-Tabletten gefuttert, ungefähr um die 20 Stück. Steffi noch weniger als ich. In der dunkelsten Zeit war es mittags um die vier Stunden so „hell“, dass man gut sehen konnte und das sonst allzeit auf dem Kopf befindliche „Hodelykt“ (Kopflampe) getrost in der Jackentasche bleiben konnte.

Auch die Schlittenfahrten bei Mondenschein hatten etwas mystisches und für sich.

Die letzten Tage, bevor die Sonne dann offiziell wieder da war, gab es dann wieder schöne Farbenspiele am Himmel zu sehen. Nun hoffe ich in den nächsten Tagen bei freiem Himmel ein paar schöne Bilder von der Sonne machen zu können.

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Harrytur in Finnland

Das schöne in Grenznähe in Norwegen zu wohnen ist, auf sogenannte „Harrytur“ gehen zu können. So nennt es der Norweger, wenn er ins Nachbarland für den günstigen Großeinkauf fährt. „harry“ heißt soviel wie prollig. Man geht also auf „Prollausflug“ nach Schweden oder in unserem Fall nach Finnland. So einen Ausflug haben wir jetzt bereits zweimal gemacht.

Der Begriff wurde wohl durch einen Politiker geprägt, der meinte, dass das günstige einkaufen in Schweden abscheulich/prollig sei. Der Meinung scheinen viele in Grenznähe wohnende Norweger jedoch nicht zu sein. Im Gegenteil, für die kauflustigen Norweger haben die skandinavischen Nachbarn oft in Grenznähe wahre Einkaufsparadiese gebaut, wo der Norweger alles kaufen kann, was er braucht. Und das tut der geneigte Norweger natürlich auch, denn die Preise sind deutlich günstiger als im Hochpreisland Norwegen. Sicher, als deutsche Preise gewohnte, empfinden wir auch die schwedischen und finnischen Preise nicht als günstig. Wenn man jedoch in Norwegen lebt, kann man einige Kronen sparen, wenn man auf Harrytur geht.

Bei uns hier oben in Lakselv hat man allerdings nur eine von der Entfernung sinnvolle Möglichkeit im benachbarten Finnland einzukaufen. So fährt man ca. eine Stunde bis zu einem hinter Karasjok direkt an der Grenze liegenden kleinen Örtchen namens Karigasniemi. Dort gibt es einen Supermarkt in dem man zumindest alles für den täglichen Bedarf findet. Klar, hier oben würde sich ein großer Konsumtempel mit übermäßigem Angebot auch kaum rentieren. Da die Finnen der EWU angehören, wird dort in Euro bezahlt und als Deutscher weiß man so doch gleich wie teuer es auch hier noch im Vergleich zu Deutschland ist. Aber die Preise hier im Norden haben, wie ich finde, ihre Berechtigung. Vielleicht verfasse ich dazu mal einen separaten Beitrag.
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Jedenfalls haben sich die Kaufleute im kleinen Karisganiemi gut auf die norwegischen Einkäufer eingestellt und sprechen auch norwegisch. Neben zwei mehr oder weniger kleinen Supermärkten gibt es drei Tankmöglichkeiten, ein nettes Restaurant/Bar/Kneipe und einen kleinen Baumarkt. Im dortigen Restaurant könne wir uns das essen gehen wenigstens mal leisten. 😉

Weiterhin bekommt man in Finnland bestimmte andere Produkte, die es in Norwegen nicht gibt. Zum Beispiel habe ich mich in eine großartige Creme Brülee-Schokolade verliebt, nachdem ich schon so auf das norwegische Creme Brülee-Eis abfahre. Außerdem war das Moltebeeren-Eis, welches wir beim letzten Einkauf in Finnland entdeckt haben sehr lecker. 🙂

Und wenn man schon in Finnland ist, sollte man auch gleich den Tank voll machen, denn auch hier lässt sich ordentlich sparen. Wir haben für den Liter Diesel zuletzt 1,58 € gezahlt. In Lakselv hätten wir an dem Tag umgerechnet ca. 1,81 € zahlen müssen.

Bestimmt werden wir noch das ein oder andere mal einen kleinen Prollausflug machen, so lange wir hier wohnen.

Steffis Unwetter-Geburtstag

Gestern hatte Steffi Geburtstag. Dazu wollte ich sie zum ersten Mal ins Kino in Lakselv einladen. Blöd war nur die Unwetterwarnung mit Sturm und Schneeverwehungen. Was, wenn wir nicht mehr nach Hause kommen? Und was, wenn auch noch Marit nicht mehr nach Hause kommt, die am Nordkapp in Honningsvåg Dienst hat? Für die Nordkapp-Insel war noch schlimmeres vorausgesagt. Wir entschieden uns es trotzdem zu riskieren. Schlimmstenfalls übernachten wir in der Tierklinik in Lakselv und die Hunde müssten die Nacht alleine überstehen.

Da wir seit zwei Wochen kein Internet haben (mal sehen, wann sich der Anbieter bemüht etwas dagegen zu unternehmen), fuhr ich also nach der vorabendlichen Hunderaubtierfütterung zu Steffi in die Tierklinik, um dort vor dem Kino noch etwas das Internet zu nutzen und die ein oder andere Sache zu erledigen.

Auf dem Hinweg bekam ich schon einen kleinen Vorgeschmack, was uns in der Nacht noch bevorstehen würde. Aber man konnte noch einigermaßen gut und heil die 15 km nach Lakselv reinfahren. In der Tierklinik sitzend und das vermisste Internet in Breitbandgescheindigkeit nutzend, wurden die Winde draußen immer stärker.

Gegen halb Acht machten wir uns dann mit Steffis Auto auf den Weg zum Kino. Es herrschte starker Wind und Dank des Schnees konnte man oft so gut wie nichts mehr sehen. Blöd, dass wir noch nie beim Kino waren und nur eine ungefähre Ahnung von dessen Lage hatten. Gepaart mit einer Sicht von wenigen Meter, führte dies unweigerlich dazu, dass wir ellenlang das Kino suchten.

Als wir unsere Suche außerhalb des Wagens versuchten fortzusetzen, erwischte mich eine Windböe und riss mir die Brille aus dem Gesicht. Na super! Ich hatte sie schon abgeschrieben und schätzte sie schon hundert Meter weiter irgendwo rumliegen. Blöd, dass ich ohne Brille blind wie ein Fisch bin und so auch jede Suche meinerseits sinnlos gewesen wäre. Nach einigen Sekunden konnte ich jedoch endlich Steffi auf den Verlust meiner Brille aufmerksam machen, welche diese dann auch glücklicherweise blitzschnell am Boden fand. Uff, Glück gehabt! Daraufhin brachen wir die Suche nach dem Kino außerhalb des sicheren Autos ab. Es war eh schon gerade 20:00 Uhr und der Film begann soeben ohne uns. Trotz nicht vorhandener Sicht entschlossen wir uns jedoch mal zu schauen, ob wir das Kino nicht doch finden, damit wir das nächste Mal nicht wieder suchen müssen. Nach ein wenig umherfahren, tauchte dann auch plötzlich ein Schild auf, welches den Weg zum Kino wies. Super!

Wir entschlossen uns kurzerhand reinzugehen und zu fragen, ob der Film schon läuft. Er lief schon, aber grad 5 Minuten. Und das Beste: Tickets waren gratis. Na dann, nix wie rein. Ein größerer Kinosaal, als von mir erwartet für das kleine Städtchen Lakselv. Wir waren froh in den bequemen Kinosesseln Platz nehmen zu können und vom Sturm draußen nichts mehr mitzubekommen. Ich ging nochmal raus und versorgte uns mit Schokopopcorn und salzigem Popcorn mit Karamellpuder. Dazu Cola.

Die Verkäuferin, die uns auch gratis reingelassen hat, kam mir bekannt vor. Dann viel der Groschen: Die haben wir vor einer Woche bei einer privaten Krabbenessen-Feier kennengelernt. Ob wir deshalb gratis reindurften? Oder ob wirklich gratis für alle war? Ich glaub wir werden es nicht mehr erfahren.

Nach dem Film, übrigens der zweite Teil von „Hunger Games“, fuhren wir vom schneeverwehten Parkplatz zur Tierklinik zurück. Sachen ins Auto gepackt, Tor gegen den Sturm ankämpfend noch verschließen und ab auf die Piste nach Hause. Dort warteten schließlich noch Geschenke für Steffi.

Doch je näher wir dem Ortsausgang von Lakselv kamen, desto heftiger würde der Sturm und desto weniger die Sicht. Ok, umdrehen war irgendwann keine Option mehr, da dies im Bereich des unmöglichen lag. So kämpfte ich mich mit unserem VW Bus ohne Allradantrieb und ohne Spikes durch die Schneeverwehungen. Mehrmals musste ich stehenbleiben, weil rein garnix mehr zu sehen war.

Dann passierte, was nicht passieren sollte: Ich blieb in einer Schneeverwehung stecken. Mist! Warnblinker an und sachte versuchen da wieder raus zu kommen. Vorwärts ging gar nichts mehr. Also Rückwärts. Jedoch mit der Angst im Fjord zu landen, welches sich wenige Meter den Abhang neben der Straße hinunter befinden musste und Dank keiner Sicht nach hinten schwer einzuschätzen war, wieviel Meter oder Zentimeter mir noch blieben. Im dritten oder vierten Anlauf gelang es mir dann zum Glück mich aus dem tiefen Schnee zu befreien und ich konnte die Fahrt fortsetzen.

Da außer uns wahrscheinlich eh kein Idiot da rum fuhr und mir bisher auch niemand begegnet war, fuhr ich nur noch mitten auf der Straße weiter. Kurz vor dem Ziel dann noch zwei tiefere Schneefelder gemeistert, ehe ich froh in unsere Einfahrt einbog. Die Hunde empfingen mich mit Wimmern und Gebell und schienen mindestens genauso froh wie ich, dass ich wieder da war.

Während der Fahrt habe ich mir schon so meine Gedanken gemacht, ob Steffi auch durchkommt. Von daheim schickte ich ihr dann eine SMS, mit dem Tipp immer mittig zu fahren. Kurz darauf bekam ich von ihr die Nachricht, dass sie fest stecken würde. Na klasse!

Wir telefonierten und sie wollte erstmal versuchen allein wieder frei zu kommen, ehe ich mich wieder in das Unwetter begebe. Ich suchte schon mal Schaufeln, Lampen und Abschleppseil zusammen. Irgendwann kam dann wohl tatsächlich ein anderes Auto bei Steffi vorbei. Die Insassen informierten das Räumfahrzeug auf das Steffi dann warten wollte. Bevor dieses jedoch kam, kamen zwei Trucks. Die Trucker zogen den Wagen raus und Steffi konnte ihre Fahrt fortsetzen. Es war auch garnicht mehr weit bis nach Hause. Durchnässt und kalt konnte sie dann nach Mitternacht verspätet ihre Geburtstagsgeschenke auspacken. 😉

Demnächst verzichten wir auf Kino bei Unwetterwarnung! 😉

Wie in den Nachrichten vermeldet wurde, ist in Lakselv wohl der Weihnachtsbaum im Zentrum umgeknickt und hat noch gleich eine Straßenlaterne mitgenommen. Unser Grundstück ist voller Schnee. Wie ich den Massen Herr werden soll, überlege ich mir jetzt. Da wäre der Nachbar mit dem Traktor nicht unangebracht, der letztens schon hier war.

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